İstanbul Apartmanı. Eine Ausstellung der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Stipendiaten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Die Galerie der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Volkspark zeigt vom 13. Oktober bis 6. November 2011 unter dem Titel „İstanbul Apartmanı“ Arbeiten der Istanbul-Stipendiaten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt.
Über die Ausstellung, die auf ihrer ersten Station vom 16. bis 30. September 2011 in der Galerie der Mimar Sinan Güzel Sanatlar Üniversitesi in Istanbul gezeigt wurde, sagt Prof. Dr. Nike Bätzner, Prorektorin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle: „Der erste Part unserer Stipendiaten-Ausstellung in Istanbul war ein großer Erfolg. Parallel zu den Eröffnungstagen der Istanbul-Biennale konnten wir viel Fachpublikum in die wunderbaren Ausstellungsräume der Mimar Sinan Güzel Sanatlar Üniversitesi am Bosporus locken. Dass unsere Stipendiaten die Zeit in Istanbul intensiv zum Arbeiten und zur Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Stadt genutzt haben, wird anhand der Exponate auf vielfältige Weise erfahrbar. Die Zusammenarbeit mit der Mimar Sinan Güzel Sanatlar Üniversitesi werden wir nach dieser Erfahrung weiter intensivieren – ein schönes Zeichen dafür ist, dass eine Delegation aus Istanbul zu unserer Ausstellungseröffnung nach Halle kommt. In Istanbul haben wir die Exponate wegen der überbordenden Eindrücke der 15-Millionen-Stadt sehr konzentriert und museal präsentiert. In Halle hingegen stellen wir heraus, dass ein solch alle Sinne forderndes Intermezzo im Ausland bei den jungen Künstlerinnen und Künstler die Lust am Experimentieren und Prozesse auslöst, die ihre Arbeit in auch für sie selbst überraschende Richtungen weiter treibt.“



Am Mittwoch durfte ich an einer Führung in der Jubiläumsausstellung zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig “Erleuchtung der Welt” teilnehmen. Geleitet wurde sie von Herrn Prof. Dr. Dr. Detlef Döring, Mitkurator der Ausstellung. Auf knapp 1400 Quadratmetern wurde im Alten Rathaus zu Leipzig mit 700 Exponaten die Rolle der Alma mater lipsiensis bei der Herausbildung der modernen Wissenschaft dargestellt. Ausführlich und detailliert erhält der Besucher in mehr als 30 Themenbereichen Einblicke in diesen Teil der Geschichte, wobei nicht nur im engeren Sinne auf die Welt der Universität, sondern auch auf die Stadt und Mitteldeutschland eingegangen wird. Ohne Zweifel steckt in der Ausstellung sehr viel Arbeit, Mühe und Interesse, die zu würdigen sind. Aber bei näherem Hinblicken muß ich einiges anmerken. Zunächst ist das Thema (im weitesten Sinne Aufklärung) für eine Jubiläumsausstellung zu 600 Jahre (!!!) Universität Leipzig viel zu eng gegriffen, wenn man sich das potentielle Zielpublikum anschaut (Leipziger Stadtbewohner und Besucher). Hier wäre – ganz klassisch – eine Überblicksdarstellung über die Leipziger Universitätsgeschichte wohl angebrachter gewesen. Ein weiteres Problem ist die Umsetzung: Hauptsächlich Flachware (Bücher, Schriften) und Bilder (Ölgemälde, Kupferstich) sind als Exponate gewählt worden. Vor allem im ersten Drittel der Ausstellung sind sie fast ausschließlich zu sehen. Als Besucher ermüdet man, es fehlt die Abwechslung. Nur wenig Multimedia ist eingesetzt worden, um so für Kurzweile und andere Einsichten zu sorgen. Desweiteren sind so manche Themengebiete sehr speziell, die auf wenig Interesse stoßen (beispielsweise Rolle der Orientalistik in der Aufklärung). Als letzter Punkt ist die Informationsweitergabe zu kritisieren. Zwar führen gut verständlich gehaltene, nicht zu lange Einführungstexte in die Themenbereiche ein, die durch die Exponatbeschreibungen ergänzt werden, aber sie zeigen die inhaltliche Verbindungen nicht auf, sie machen zu wenig die Konzeption deutlich. Zudem sind sie typografisch schlecht aufbereitet (zu eng beieinander die Textblöcke gehalten, zu enge und vertikale Schrift, weiße Buchstaben auf grauem Hintergrund aus der Ferne schlecht lesbar [Aussage einer Besucherin]). Am beliebtesten war die Kinderecke bei allen Ausstellungsbesuchern. Hier konnte man sich mit Hieroglyphen, Durftorgeln, Schriftsetzerei und Drucken, physischen Experimenten u.v.m. gut vergnügen. Viel sagt es über die Ausstellung aus, wenn selbst Erwachsene diese Ecke ausführlich nutzen, anstatt sich die Ausstellung anzusehen! Fazit: Eine Ausstellung, die zwar inhaltlich (wenn man von der grundsätzlichen Kritik an der Themenwahl absieht) insgesamt gut gemacht ist, aber in der Umsetzung eher an eine wie vor 30 Jahren gemachte erinnerte. Eigentlich traurig, da der Anlaß zu viel mehr gegeben hätte.


