“Der Bär in meinem Bett” Kanadakolumne #019
Der Morgentau verabschiedet sich von Kanada’s Wiesen und macht der aufgehenden Sonne Platz. Eine Frau liegt schlafend in ihrem Ehebett und wird vom Weckerklingeln unsanft aus den Träumen gerissen. Schlaftrunken dreht sie sich auf die Seite und breitet ihre Arme aus. Sie erschreckt, als sie den vertrauten Körper ihres Mannes neben sich spürt und ruckelt ihn wach. Schließlich steht er doch immer vor ihr auf, um pünktlich bei der Arbeit sein zu können. Der Mann reagiert so gar nicht auf die Berührungen seiner Frau. Langsam öffnet sie ihre Augen und versucht dabei weiterhin ihn wach zu schütteln. Als sie die Augen endlich geöffnet hat, fährt sie beängstigt zusammen. Neben ihr liegt ein Schwarzbär und genießt die Vorzüge eines warmen, weichen Bettes.
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Erstarrt vor Schock bewegt sie sich eine ganze Weile überhaupt nicht. Auch der Bär zeigt keinerlei Reaktionen. Irgendwann – als sie die Situation in ihrer völligen Kuriosität realisiert hat – hält sie es nicht mehr aus, hüpft panisch aus ihrem Bett und rennt schreiend vor ihrer pelzigen Affäre davon.
Da musste ich nun fast fünf Monate in Kanada verbringen, bis ich auf jemanden getroffen bin, der mir so eine Mordsgeschichte über Bären auftischen konnte. Die Quelle ist eine freundliche Frau, die wir im Bus kennenlernten. Sie ist mittlerweile Kanadierin und vor mehr als zwanzig Jahren aus Deutschland ausgewandert. Beim gemütlichen Kaffeetrinken in ihrem Hause habe ich mich beinahe an meinem leuchtend roten Erdbeerkeks verschluckt, als sie uns die Sensations-Story erzählte.
Kaffeetrinken, Kuchenessen und gemütliche Bierabende stehen momentan auf unserer Tagesordnung. In weniger als zwei Wochen verlassen wir Victoria, sodass wir uns jetzt so langsam von den vielen liebenswürdigen Menschen und Freunden verabschieden. Neben all den Goodbye-Dates sind wir fleißig am Organisieren und Arbeiten um unsere Universitätspflichten noch glänzend zu erfüllen. Vor einigen Wochen führten wir ein sehr informatives Interview mit einem Gesundheitsberater aus dem „MINISTRY OF HEALTH SERVICES“ in Victoria. Wir haben das Gespräch zum Thema: „Umwelt und Gesundheit“ gefilmt und unsere Dreharbeiten auf die Parks, Radwege und öffentlichen Plätze der Stadt ausgeweitet. Herausgekommen ist eine beachtliche Menge an Rohmaterial, die wir auf eine knappe halbe Stunde Film heruntergekürzt haben. Bis auf ein paar Feinheiten ist unser Filmwerk vollbracht. Gespannt warten wir auf ein weiteres Treffen mit unserem Protagonisten aus dem Ministerium und seine Meinung zu unserer Arbeit. Bis dahin versüßen wir uns die letzte Zeit im märchenhaften Kanada mit der ein oder anderen „freiwilligen Pflicht“ …



