Alles nur Zufall? Kanadakolumne #016
In dieser Woche ist es bisher noch Niemandem gelungen, uns mit (hoch-)prozentigen Getränken „über zu versorgen“ und einen Bärenangriff hat es erfreulicherweise auch (noch) nicht gegeben. Diese günstige Ausgangslage erlaubt es mir, ein wenig zurückzudenken und darüber zu philosophieren, was es mit Zufällen und Begegnungen so auf sich hat. Schon während unserer letzten größeren Reisen (Jakobsweg/Spanien und Island) sind Conny und ich häufig zum richtigen Zeitpunkt auf genau die richtigen Menschen getroffen. Sie haben uns entweder geografisch ein Stückchen voran gebracht oder uns mit ihrer Herzlichkeit und Wärme fasziniert. Nehmen wir das vergangene Wochenende: Cornelia und ich erwischen versehentlich die falsche Einfahrt. Prompt landen wir bei einer gastfreundlichen Camperrunde und schippern mit Bacardi Breezer zu Country Musik über einen malerischen See, dessen Ufer und Inseln mit prächtigen Nadelbäumen gesäumt sind. Gehen wir aber mal ein ganzes Stückchen zurück: Als wir am 31. März in Victoria angekommen sind, hatten wir weder eine Handynummer von unserem Vermieter noch ein funktionierendes Mobiltelefon. Dennoch haben wir die erste Nacht nicht im Vorgarten verbringen müssen, weil unser Hausbesitzer exakt in dem Moment die Straße hinauf fuhr, als wir uns schwitzend mit 80 Kilogramm Gepäck durch die Nachbarschaft kämpften. Er konnte uns zwar die Koffer nicht abnehmen, aber immerhin die Schlüssel aushändigen und uns persönlich in die Geheimnisse seiner Zettelbotschaften (im gesamten Haus verteilt) einweisen. Dem Zufall sei Dank!
Als wir im Mai mit unserer Kreditkarte „Schlaflos in Seattle“ spielten, haben wir sofort nach unserer Ankunft eine überraschende und liebenswürdige Begegnung gehabt.
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Wir standen gerade orientierungslos vor einem edlen Hotel in Downtown Seattle, als uns ein Chauffeur ansprach und anbot uns kostenlos vor unserem Hotel abzusetzen. Natürlich haben wir die Einladung sofort dankend angenommen und uns durch die Stadt kutschieren lassen. Wären da nicht die abgetragenen Trekkingrucksäcke gewesen, hätte man uns in der Hotellobby für die neuen, aufstrebenden Hollywoodsternchen halten können. Apropos Glitzer und Glamour: Erstaunlich, dass wir während unserer Zeit in Las Vegas keine zehn Minuten allein an der Hotelbar gesessen hatten, bis uns die beiden Männer von IBM großzügig (und ohne plumpe Anbaggerversuche) zu Glücksspiel und Drinks eingeladen hatten. Noch ein Beispiel für unsere glücklichen Fügungen: Seit Wochen fahnden wir nach einer preisgünstigen Möglichkeit in die Rocky Mountains zu fahren. Letzte Woche wollten wir dann schon ein Busticket kaufen, als wir beim Grillen zufällig (?) auf ein Studentenpärchen trafen, das uns die Mitnahme in ihrem Auto anbot. Manchmal ist es eben einfach besser abzuwarten und von Zeit zu Zeit weniger zu planen. Und weil wir genau das nun berücksichtigen, geht es am Samstag – ohne feste Reservierungen und Transfertickets – in die kanadische Bergwelt. Grobe Übersichtskarten aus dem Internet und ein warmer Schlafsack müssen genügen.
HINWEIS: Die nächste Kolumne erscheint am 5. August – sofern ich im Bären-Bauch einen WLAN-Zugang herstellen kann.



