Mit dem Heft 2 des 4. Jahrgangs der OpenAccess-Zeitschrift “Arbeitstitel. Forum für Leipziger Promovierende” haben die HerausgeberInnen eine neue Ausgabe veröffentlicht. In dieser dreht sich alles um die Frage von “Choice. Von der Einheit zur Vielfalt”. 25 Sorten Apfelsaft, 28-Gang-Fahrräder, 135 Zusammenstellungen meines individuellen Müslis, 9 Präsidentschaftskandidat_innen, 7 Milliarden mögliche Forschungsfragen… Oft gilt die Wahl als Zeichen von Freiheit und Reichtum. Aber Vorsicht ist seiner Ansicht nach geboten, denn in einer Gesellschaft, in der die Erwartungen so hoch sind, dass jede_r seines eigenen Glückes Schmied ist und die möglichen Optionen endlos erscheinen, würde dies zu klinischer Depression des Wählenden führen. Wir brauchen also jemanden, der uns leitet: „Vollkorn ist besser für dich! (auch wenn es vielleicht nicht so gut schmeckt)“. Entscheidungen müssen normativ aufgeladen sein, damit wir sie überhaupt fällen (können). Wäre demnach Werturteilsfreiheit der Tod aller Entscheidung? Rituale, Routinen und Grundsätze bieten uns eine Zone des Nicht-Entscheidens. Wie entstehen sie, wie werden sie gelebt und wieder verworfen? Wählen wir dann überhaupt jemals frei? Oder ist nicht doch alles Manipulation, Ritual, Gewöhnung und Spiel der Neuronen? Dann wären wir alle Pawlows Hunde, gefangen in einem Netz aus unfreien Entscheidungen? Liegt die Lösung also in einer neuen Symplify-Bewegung? In der gezielten, individuellen Reduktion der Wahlmöglichkeiten, um der existierenden Komplexität entfliehen zu können? Welche Kriterien wären dann aber die „richtigen“ und sind Entscheidungen dann „besser“, wenn sie begründbar sind?
Interessiert? Hier geht zur aktuellen Ausgabe von “Arbeitstitel”.